Nachtschein - von Seraina Kobler
Genre: Krimi | Zürich-Krimi
Worum es wirklich geht
Hafen Enge, Zürich. Eine Novembernacht. Es brennt, und bei den Löscharbeiten findet Seepolizistin Rosa Zambrano die verkohlte Leiche einer jungen Frau: Iva Schwarz, Tochter einer bekannten Architektin. Was hat sie das Leben gekostet?
Die Ermittlungen führen Rosa kreuz und quer durch Zürich: an die Goldküste, in die alternative Szene, in Genforschungslabore, ins Rotlichtmilieu. Dazu kommt ein städtebauliches Grossprojekt namens Cargoload: unterirdische Gütertrassen, die Schweizer Grossstädte verbinden sollen. Visionär. Lukrativ. Und voller Seilschaften.
Und dann taucht auch noch Rosas Ex Leo wieder auf.
Die zentralen Gedanken
Mich hat vor allem eine Frage beschäftigt: Wer entscheidet eigentlich, wie wir in Zukunft leben? Kobler stellt sie, ohne eine Antwort zu liefern. Das finde ich mutig.
Dazu kommt Rosas persönlicher Scheideweg. Beruflich und privat. Was will sie wirklich? Nachtschein ist deshalb mehr als ein Krimi. Es ist ein Buch über Entscheidungen.
Zürich ist dabei keine Kulisse. Man riecht die Stadt. Spürt das November-Grau. Ich kenne diese Gassen und habe vieles wiedererkannt.
Hinter glänzenden Fassaden stecken immer Menschen. Und Menschen haben immer Geheimnisse.
Für wen sich das Buch NICHT lohnt
Wer sehr schnelle Thriller mit permanentem Nervenkitzel sucht, wird bei Nachtschein nicht glücklich. Genauso wenig ist der Roman etwas für Leser:innen, die brutale, düstere oder extrem blutige Krimis bevorzugen oder komplexe Actionplots erwarten. Wer wenig Geduld für Atmosphäre und Figurenbeobachtung mitbringt oder mit einem ruhigen Erzähltempo generell wenig anfangen kann, sollte lieber einen anderen Griff ins Bücherregal wagen.
Nachtschein setzt stattdessen auf Stimmung, urbane Atmosphäre und psychologische Nuancen, mit Zürich als Schauplatz und einer leisen, fast unterschwelligen Spannung. Wer eher „harte" Scandinavian-Noir-Thriller oder reine Pageturner liest, könnte ihn als zu fein, zu ruhig oder zu literarisch empfinden.
