DAS GRAB AM FJORD - von Agnes Lovise Matre
Genre: Krimi | Nordic Noir | Cold-Case-Krimi
Worum es wirklich geht
Stell dir vor, du kaufst ein Haus am Fjord. Du geniesst den wunderschönen Ausblick auf deiner Veranda. Du hast auch einen Garten, welcher zwar voller Steine ist, aber man kann ihn trotzdem bearbeiten. Du entscheidest dich, deinen Garten zu verschönern. Mit dem richtigen Gartenwerkzeug machst du dich an die Arbeit. In einer Ecke ein wenig, in der anderen Ecke und immer so weiter. Als du mitten im Umgraben bist, entdeckst du etwas Seltsames. Du schaust genauer hin und merkst, dass da eine Jeansjacke hervorkommt. Du machst weiter und erschrickst, weil du menschliche Knochen findest. Vor Schock bleibst du stehen. Als die Aufregung sich etwas gelegt hat, rufst du die Polizei. Tatsächlich wurden da menschliche Knochen gefunden, welche schon sehr lange da vergraben sein sollten.
Der Kommissar Bengt Alvsaker und sein Team übernehmen den Cold Case. Sie machen sich auf die Reise in die Vergangenheit, und das scheint in dem verschwiegenen Dorf niemanden zu gefallen.
Die zentralen Gedanken
Die Autorin kann mit ihrem Schreibstil so in den Bann fassen, dass es unmöglich ist, das Buch wegzulegen. Eine Wendung nach der anderen. Bis zum Schluss weiss man nicht, wer der Mörder ist. Ich konnte es nicht erraten, und normalerweise errate ich bei Krimis recht schnell, wer der Täter ist.
Das Buch zeigt, wie eine Dorfgemeinschaft funktioniert: wie schön es sein kann, dieser Zusammenhalt und das Streben nach Ruhe und Frieden. Es zeigt aber auch, dass sich das bei unbeliebten Menschen negativ auswirken kann, vor allem wenn es um ein Verbrechen geht.
Das Buch zeigt deutlich, dass Karma, wenn man daran glauben möchte, im wahren Leben funktioniert. Es zeigt, dass Geheimnisse Folgen haben und die Vergangenheit nicht einfach so verschwindet, sondern einen irgendwann einholt. Es zeigt auch, dass Menschen selten nur gut oder böse sind.
Die Emotionen, welche in diesem Buch auftauchen, ähneln der Atmosphäre des Landes: rau und kalt, wie die Fjorde selbst.
Für wen sich das Buch NICHT lohnt
Wer schnelle Action und permanente Wendungen sucht, wird hier nicht glücklich. Der Roman lebt von Atmosphäre und psychologischer Spannung, kein Thriller, der einen von Szene zu Szene jagt. Auch wer leichte Unterhaltung erwartet, wird die düstere, ruhige Stimmung als schwer oder bedrückend empfinden; das Buch verlangt Geduld und Aufmerksamkeit. Wer klare Gut-und-Böse-Figuren braucht, wird mit den moralisch ambivalenten Charakteren fremdeln, viele sind komplex, nicht sofort sympathisch und nicht eindeutig einzuordnen. Und wer einen klassischen Whodunit mit knappen Kapiteln und hohem Tempo erwartet, sollte wissen: Nordic Noir lebt vom langsamen Spannungsaufbau, von Stimmung und psychologischer Tiefe, genau das ist hier Programm.
