Lesen. Denken. Schreiben.

Genre: Literarischer Roman | Gegenwartsroman | Coming-of-Age-Roman

Worum es wirklich geht

Manche Bücher sagen einem schon mit dem Titel, worum es wirklich geht. 22 Bahnen. Jeden Tag. Nicht weil Tilda das besonders gerne macht, sondern weil es das Einzige ist, das ihr gehört.

Tilda ist 22, studiert Mathematik und arbeitet als Kassiererin. Zu Hause wartet ihre kleine Schwester Ida. Und eine Mutter, die sehr viel Alkohol trinkt. Das ist keine Ausnahmesituation für Tilda. Das ist einfach das Leben, das Tilda kennt. Dabei übernimmt sie sehr viel Verantwortung für den Haushalt.

Dann kommt Vincent. Er ist anders als die Menschen, die sie sonst kennt. Leichter irgendwie. Und er bleibt.

Die zentralen Gedanken

Mich hat an diesem Buch vor allem eine Frage beschäftigt: Was passiert mit jemandem, der nie Kind sein durfte? Tilda funktioniert. Sie organisiert, schützt, hält zusammen. Aber was ist mit dem, was dabei auf der Strecke bleibt, mit den eigenen Wünschen, der eigenen Zukunft, dem Mut, loszulassen?

Caroline Wahl schreibt darüber ohne Kitsch und ohne Anklage. Alkoholabhängigkeit, familiäre Überforderung, das Erwachsenwerden unter zu viel Last, das alles ist da, aber es wird nicht dramatisiert. Es ist einfach da. So, wie es im Leben auch einfach da ist. Das macht die eigentliche Stärke des Buches aus.

Die Sprache ist direkt, manchmal fast spröde, und genau deshalb wirkungsvoll. Man spürt Tildas Erschöpfung. Man spürt auch, wie schwer es ist, Hoffnung zuzulassen, wenn man sich das lange nicht mehr erlaubt hat.

Manchmal ist das Mutigste, was man tun kann, einfach seine Bahnen zu ziehen und zu hoffen, dass man irgendwann ankommt.

Für wen sich das Buch NICHT lohnt

Wer Action, Tempo oder klassische Spannung erwartet, ist hier falsch. Das Buch passiert langsam und das mit Absicht.

Wer gerade sensibel auf Themen wie Alkoholabhängigkeit oder familiäre Überforderung reagiert, sollte das wissen. Es wird nichts aufgelöst, nichts schöngeredet.

Und wer erwartet, dass Tilda irgendwann aufschreit oder ausbricht der wird auch enttäuscht .

Wer komplexe literarische Sprache oder experimentelle Erzählformen sucht wird hier auch nicht glücklich. Caroline Wahl schreibt schlicht, direkt und es ist leicht lesbar.

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