Essentialismus – Greg McKeown
„Essentialisten fragen nicht: 'Was muss ich aufgeben?' Sie fragen: 'Wobei will ich wirklich Grosses leisten?'"(engl. Ausg., S. 56)
Worum es wirklich geht
McKeown unterscheidet zwischen dem «Nicht-Essentialisten», der auf alles reagiert, zu allem Ja sagt und sich dabei verzettelt – und dem «Essentialisten», der bewusst auswählt, Prioritäten setzt und sich auf das wirklich Wichtige konzentriert. Die Kernbotschaft: Weniger, aber besser.
Das Buch liefert dazu Geschichten aus der Praxis, Konzepte aus der Psychologie und eine klare Struktur. Nichts davon ist grundlegend neu – aber es ist ordentlich aufbereitet.
Im Grunde hätten drei Sätze gereicht: Kleine Schritte führen zu grossen Ergebnissen. Prioritäten setzen. Nein sagen. Irgendwo posten, fertig.
„Gibt es einen Punkt, an dem mehr tun nicht mehr produziert? Gibt es einen Punkt, an dem weniger tun – aber mehr denken – tatsächlich zu besseren Ergebnissen führt?" (engl. Ausg., S. 42)
Die zentralen Gedanken
Nein sagen als Stärke
Wir wollen niemanden enttäuschen, wir machen uns Sorgen um die Beziehung – und genau das vernebelt laut McKeown unsere Klarheit. Das ist eigentlich der einzige Punkt, bei dem ich kurz innegehalten habe:
„Wir können Nein sagen und es für ein paar Minuten bereuen – oder wir können Ja sagen und es für Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre bereuen." (engl. Ausg., S. 135)
Der Besitztumseffekt
McKeown greift das psychologische Konzept des Endowment Effects auf: Dinge, die uns bereits gehören, überbewerten wir – und halten daran fest, obwohl sie uns nichts mehr bringen.
„… unsere Neigung, Dinge zu unterschätzen, die uns nicht gehören, und Dinge zu überbewerten, weil wir sie bereits besitzen." (engl. Ausg., S. 148)
Menschen nicht ihrer Probleme berauben
Wer anderen ständig ihre Probleme abnimmt, nimmt ihnen gleichzeitig die Fähigkeit, diese selbst zu lösen. Das ist nicht Hilfsbereitschaft – das ist Entmündigung.
Das Buch endet mit einer 21-Tage-Challenge – die aber sehr langweilig klingt. Wie auch alle anderen in dieser Branche mit einer «Erleuchtung» enden.
Für wen sich das Buch NICHT lohnt
Für alle, die sich mit Selbstoptimierung und Disziplin bereits auseinandergesetzt haben. Es war nichts wesentlich Neues dabei – Kleine Schritte führen zu grossen Ergebnissen, Prioritäten setzen, Nein sagen.
Für Neulinge, die noch nie in diesem Genre unterwegs waren: gerne. Für alle anderen: nichts.